Von Arnstadt aus verläuft der Gera-Radwanderweg unmittelbar entlang des Flusses durch einen zunehmen dichter besiedelten Raum. Dennoch konnte sich der Fluss seinen Charakter als grünes Bindeglied erhalten.

Die Nähe eines der wichtigsten Industriestandorte der Region ist vom idyllischen Weg aus kaum zu erahnen. Bis 1967 bestand eine Nebenbahnlinie zwischen Arnstadt und Ichtershausen, an der sich zahlreiche Betriebe ansiedelten. In diesem Gebiet finden sich interessante Zeugnisse der Industriekultur.
Liebhaber romanischer Architektur und alten dörflichen Brauchtums sollten in Ichtershausen eine Rast einlegen. Das Ortsbild wird durch die im Kern romanische
Klosterkirche St. Georg zu Marien aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und den angrenzenden Gebäudekomplex der Klosteranlage bestimmt. Dieser wurde nach der Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation zunächst als Schloss genutzt.
Seit dem Jahre 1877 erfuhr das Gemäuer eine nochmalige spektakuläre
- und heute noch bestehende - Umnutzung zum Landesgefängnis. Sehenswert ist auch das
Heimatmuseum im Pfarrhof mit zahlreichen ortsgeschichtlichen Dokumenten (u.a. ein Kolonialwarenladen von 1920, Drechslerwerkstatt aus dem 17. Jahrhundert). Weiterhin ist eine Ausstellung über den Dichter Wilhelm Hey zu sehen, der zahlreiche Kinderlieder schrieb
("Weißt Du wie viel Sternlein stehen...") und 20 Jahre in diesem Haus gelebt hat.
Ein Zeugnis der Wirtschaftsgeschichte des Ortes ist die ehemalige
Nadelfabrik. Der 1862 errichtete dreigeschossige Fachwerkbau steht als frühes Industriedenkmal unter Denkmalschutz. Von 1862 wanderten Ichtershäuser Steck- und Nähnadeln von hier aus in die halbe Welt.
Weiter in Richtung Erfurt verläuft der Gera-Radwanderweg auf einem neuen Asphaltweg, der seine Existenz dem "Erfurter Kreuz" verdankt. Seit einigen Jahren kreuzen sich hier die Autobahnen A 4 und A 71, zusätzlich überspannt das Brückenbauwerk der künftigen ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg die beiden Autobahnen. Mit dem Erfurter Kreuz wird auch das Stadtgebiet der Landeshauptstadt Erfurt erreicht. Auf dem Weg in die Innenstadt berührt der Gera-Radwanderweg die Ortschaften Molsdorf, Möbisburg, Bischleben und Hochheim.
In Molsdorf findet sich eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke: Das spätbarocke Schloss Molsdorf mit seiner Parkanlage - auch das "Thüringer Versailles" genannt - ist aus einer Wasserburg hervorgegangen, die sich hier seit dem 16. Jahrhundert befand. Das Schloss erlebte seine Glanzzeit zweifellos zwischen 1734 und 1748, als hier der preußische Diplomat und Lebemann Reichsgraf Gustav Adolf von Gotter frei nach seinem Lebensmotto "Vive la joie" ("Es lebe die Freude") residierte. In dieser Zeit veranlasste er umfassende bauliche Veränderungen unter Mitwirkung des sachsen-weimarischen Baumeisters Gottfried Heinrich Krohne. Der künstlerische und architektonische Reichtum des Schlosses offenbart sich vor allem im Innern. Alle Räume sind, französische Vorbilder nachahmend, mit verschwenderischer Pracht ausgestattet.

Der ursprünglich ebenfalls barocke Schlosspark wurde in den 20er Jahren nach landschaftlichen Gestaltungsgrundsätzen zu einem der Englische Park umgestaltet. Durch den Park ist die 1720 fertig gestellte St.-Trinitatiskirche zu erreichen. Im Innenraum finden wir sechs Ölgemälde der Malerin Hedwig Ruetz. Sie war Schülerin von Max Liebermann und schenkte im Jahr 1934 die Gemälde der Molsdorfer Kirche. Die Bilder sind freie Kopien nach Fresken des Malers Fra Angelico, deren Originale im Marcuskloster in Florenz hängen.
Von Molsdorf aus führt der Gera-Radwanderweg weitab vom übrigen Verkehr entlang einer landschaftlich reizvollen Flusspartie nach Möbisburg. Alternativ kann noch ein Abstecher zur barocken
Marienthalbrücke unternommen werden. Hierzu radelt man etwa zwei Kilometer auf der mäßig befahrenen Straße in Richtung Erfurt. Die Brücke liegt an der Mündung der Apfelstädt in die Gera in der Nachbarschaft eines Gasthofes und wurde 1752 ebenfalls durch den Reichsgrafen von Gotter nach einem Entwurf des Landbaumeisters Gottfried Heinrich Krohne erbaut wurde.
Im Marienthal verläuft zukünftig der Fernradwanderweg "Thüringer Städtekette". In Richtung Ingersleben / Neudietendorf muss derzeit noch etwa zwei Kilometer auf der Landstraße gefahren werden. In den Orten entlang der Apfelstädt wurde über Jahrhunderte die Färbepflanze Waid angebaut. Vom ehemaligen Reichtum künden imposante Gehöfte, wie das um 1680 erbaute Freisassenhaus in Ingersleben.
In Richtung Erfurt radelt man vom Marienthal aus auf einem neuen Weg zwischen Gera und Bahnlinie, der in
Möbisburg auf den Gera-Radwanderweg trifft. Von hier aus führen beide Wege auf einer gemeinsamen Trasse in die Erfurter Altstadt. In Möbisburg lohnt ein Besuch der mehr als 200 Jahre alten "Töpfermühle", in der sich heute, an Stelle der 1975 stillgelegten Mühlräder, Töpferscheiben drehen.
Auf der wenig befahrenen Verbindungsstraße geht's weiter nach Bischleben. Der Ort hat durch seine Lage am Randes des Naherholungsgebietes Steiger eine lange Tradition als Ausflugsziel der Erfurter.
Anziehungspunkte sind vor allem das
Bachstelzencafé und die Gaststätte am Sportplatz. Hier lädt auch ein Spielplatz zur Rast ein.
Wie kaum ein anderes Dorf im Raum Erfurt ist Bischleben durch die Lage am Fluss geprägt. Von der Nutzung der Wasserkraft kündet ein großer
- leider leer stehender - Mühlenkomplex. Der Deich entlang der Gera verweist auf die Hochwassergefährdung des Ortes. 1994 erreichte die Gera hier einen Pegelstand von über 4 Metern. Zahlreiche Häuser des Unterdorfes waren betroffen. Auf einem sicheren Hügel über dem Ort trohnt dagegen die sehenswerte Dorfkirche.
Von Bischleben aus fahren wir auf dem Bachstelzenweg an
Hochheim
vorbei in Richtung Erfurt. Das Landschaftsbild wird durch den Galeriewald entlang der Gera mit alten Weiden, Eschen, Schwarzerlen und Vogelkirschen unterhalb des Westabfalls vom Steiger bestimmt. Bis zur Fertigstellung einer neuen Wegeführung führt der Radweg gemeinsam mit einem Wanderweg noch über eine Steganlage entlang des Steilhanges (Fahrrad bitte schieben). Die neue Trasse entlang des Bahndamms, die vor Beginn der Steganlage links abzweigt und unterhalb des alten Kurhauses wieder auf die alte Trasse trifft, ist aber bereits nutzbar: Im Herbst 2004 wurde die neue Fahrradbrücke über die Gera fertig gestellt , die anschließenden Wege sollen noch mit einer Asphaltdecke versehen werden .Der Gera-Radwanderweg quert in Hochheim die Motzstraße und führt am rechten Ufer der Gera zum Dreibrunnenbad. Alternativ ist über die Poststraße ein Abstecher in den Ortskern möglich. Hier laden ein Spiel- und Bolzplatz sowie eine Gaststätte mit Biergarten zum Besuch ein. Zur Weiterfahrt
kann die Drei-Quellenstraße genutzt werden, die in einen Weg auf der linken Flussseite mündet, der ebenfalls zum Dreibrunnenbad führt.





